Beethoven virtuell

Die Corona-Krise verhindert momentan die geplanten Konzerte, Ausstellungen und Veranstaltungen zum Beethoven-Jahr. Doch auch dafür gibt es einen kleinen virtuellen Trost. Einige Podcasts, Features und Webinare hatten wir schon in einem früheren Artikel vorgestellt, in dem es vor allem (noch) um Live-Events ging. Hier kommen nun ausgewählte Links zu Internetausstellungen für Beethovenfans.

Das Beethoven-Haus in Bonn bietet auf seiner Website virtuelle Ausstellungen zu verschiedenen Aspekten an. Besonders interessant: „Beethoven und das Geld“. Wie finanzierte sich der freischaffende Komponist seinen Lebensunterhalt? Wie hoch waren seine Lebenshaltungskosten? Exponate aus der Sammlung werden dabei ergänzt durch Zeitdokumente aus den Archiven der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und der Österreichischen Nationalbank.

Die Österreichische Nationalbibliothek hat alle ihre Objekte, die direkt mit Beethoven zusammenhängen, eingescannt und macht sie über das Portal „Beethoven Digital” zugänglich. Hier wird der Künstler vor allem mit Originalbriefen, Erstdrucken und Porträts greifbar. Briefe und Werkskizzen zeigt auch die Staatsbibliothek Berlin online in ihrer Ausstellung „Diesen Kuß der ganzen Welt!“. Dort kann man auch Konversationshefte einsehen, die der ertaubende Musiker nutzte, um mit seiner Umwelt zu kommunizieren – oft über Alltagsdinge. Wie Beethoven moderne Künstler inspiriert, zeigt eine Graphic Novel, die der Comiczeichner Mikael Ross für die Ausstellung verfasste.

Das Haus der Musik hat eine interaktive Karte zu allen Orten publiziert, an denen Beethoven in Wien und Umgebung gelebt hat – zu den zahlreichen Wohnstätten gibt es jeweils Kurzinfos und Fotos. Auch die Gesprächsreihe „Let’s talk about Beethoven“ ist ins Netz ausgewichen. Im Kaiserhaus in Baden – der Kurstadt bei Wien, in der sich Beethoven regelmäßig aufhielt – kann man mit einem kurzen Video durch die Räumlichkeiten spazieren. Die DHL Group hat in Kooperation mit dem Bonner Beethoven-Haus eine Multimedia-Ausstellung online gestellt. Sie zeigt zum Beispiel das Hörrohr, das der Komponist verwendete. Sein kreativer Prozess wird in einer Animation verdeutlicht, die nachvollziehbar macht, wie er das Manuskript seiner Diabellivariationen schrieb. In der digitalen Kunsthalle des ZDF kann man jetzt die Ausstellung „Welt.Bürger.Musik“ der Bonner Bundeskunsthalle besuchen. Auch der Musikfrachter – den wir hier erwähnt hatten – schippert nun ersatzweise durch den virtuellen Raum.

Eine lustige und zeitgemäße Idee hatte das Bonner Literaturhaus: es hat auf Twitter einen „BeethovenBot“ eingerichtet. Dieser kommentiert mit Originalzitaten aus seinen Briefen und Konversationsheften aktuelle Ereignisse. Und wer sich nun fragt, was es mit den grünen und goldenen Plastik-Beethovenfiguren auf sich hat, die man auf dem Titelfoto sehen kann, der findet auch dazu Videos online: Konzeptkünstler Ottmar Hörl stellte im Frühjahr 2019 ganze 700 Exemplare, jeweils 99 Zentimeter hoch, auf den Bonner Münsterplatz. Historisch und ernsthaft, aber auch schräg und kommerziell… nicht nur im Beethoven-Jahr nähert man sich dem Komponisten auf unterschiedlichste Weise. Aktuell freuen wir uns, ihm zumindest virtuell über Zeit und Raum hinweg näher kommen zu können. Zumindest, bis wir seine Wirkungsstätten wieder besuchen und seine Werke wieder live genießen können.