{"id":3359,"date":"2020-04-24T10:57:54","date_gmt":"2020-04-24T08:57:54","guid":{"rendered":"https:\/\/musedu.at\/?p=3359"},"modified":"2020-05-06T12:28:38","modified_gmt":"2020-05-06T10:28:38","slug":"musikunterricht-online-notloesung-oder-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/musedu.at\/de\/musikunterricht-online-notloesung-oder-chance\/","title":{"rendered":"Musikunterricht online I: Notl\u00f6sung oder Chance?"},"content":{"rendered":"<p>Vieles verlagert sich momentan in den virtuellen Raum \u2013 so auch der Musikunterricht. Einige MusiklehrerInnen haben auch fr\u00fcher schon per Videochat unterrichtet, doch f\u00fcr die meisten ist dieses Medium neu und ungewohnt. Nach einigen Wochen im Ausnahmezustand hat MUSEDU einen Schlagzeuger, eine Saxophonistin, eine S\u00e4ngerin und eine Pianistin zu ihren bisherigen Erfahrungen mit Online-Unterricht befragt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst stellt sich die Frage: Welches Tool eignet sich f\u00fcr Online-Musikunterricht? Die befragten Lehrkr\u00e4fte haben vor allem die g\u00e4ngigen Plattformen Zoom, Skype, WhatsApp und Facebook Videochat getestet. Weitere Plattformen wie <a href=\"https:\/\/doozzoo.com\/\">doozzoo<\/a> finden sich auf dieser <a href=\"https:\/\/www.musicaustria.at\/nutzbare-services-fuer-musikschaffende\/\">Liste<\/a> von mica &#8211; music austria. Bei Bedenken zur Datensicherheit kann es sich lohnen, auch freie Software wie <a href=\"https:\/\/jitsi.org\/jitsi-meet\/\">Jitsi Meet<\/a> auszuprobieren. Eine Liste mit weiteren freien Tools findet man <a href=\"https:\/\/etherpad.wikimedia.org\/p\/online-tools-for-the-pandemic\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlagzeuglehrer <a href=\"https:\/\/musedu.at\/de\/members\/michael-seyfried\/\">Michael Seyfried<\/a> meint: \u201eAls Lehrer muss man anpassungsf\u00e4hig sein, da die meisten Eltern sich nicht zu intensiv damit besch\u00e4ftigen und sich nicht auf einer neuen Plattform registrieren wollen. Wichtig ist, dass man sich vor der ersten Stunde etwas Zeit nimmt, um zu schauen ob man einander gut h\u00f6ren\/sehen kann. Hier ist speziell beim Schlagzeug das Problem, dass die meisten Handy\/Tablet-Mikros bei zu lautem Signal leiser schalten und man unmittelbar nach dem Spielen keine Stimme mehr h\u00f6rt. Ein Headset zu nutzen oder auch das Schlagzeug zu d\u00e4mpfen ist eine M\u00f6glichkeit.\u201c Au\u00dferdem hat sich f\u00fcr Michaels Unterricht eine Gopro Breitwinkelkamera bew\u00e4hrt, auf der nicht nur seine H\u00e4nde, sondern auch das Gesicht gut sichtbar sind.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Schlagzeuger nach anf\u00e4nglicher Skepsis vom Videounterricht positiv \u00fcberrascht ist, \u00e4u\u00dfert sich Pianistin <a href=\"https:\/\/ulrike-danne-feldmann.de\/\">Ulrike Danne-Feldmann<\/a> frustriert: \u201eEs waren keine Klavierkl\u00e4nge h\u00f6rbar, sondern nur \u00fcbersteuerte T\u00f6ne. Ich konnte oft noch nicht einmal die genauen T\u00f6ne h\u00f6ren, die der Sch\u00fcler spielte. Besonders schlimm war es bei schnellen Passagen und bei dicht zusammenliegenden T\u00f6nen. Bei fortgeschrittenen Sch\u00fclern gab es deshalb leider einen f\u00fcrchterlichen Klangbrei.\u201c Das Equipment auf Sch\u00fclerseite sei ein zus\u00e4tzliches Problem: \u201eNicht alle haben einen Laptop oder Handy mit halbwegs gutem Mikrofon, die wenigsten haben ein externes Mikro.\u201c Ihre Experimente mit Lautsprechern, externen Mikrofonen und Headsets h\u00e4tten keine grundlegende klangliche Verbesserung gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Saxophonistin <a href=\"https:\/\/musedu.at\/de\/members\/silke-gert\/\">Silke Ger<\/a>t findet Online-Unterricht besonders herausfordernd f\u00fcr diejenigen, die gerade erst mit dem Musizieren beginnen oder noch nicht lesen und schreiben k\u00f6nnen \u2013 auch wenn die Eltern sehr bem\u00fcht seien. Ihre Bilanz: \u201eJe fortgeschrittener, desto einfacher.\u201c F\u00fcr die Klavierlehrerin Ulrike Danne-Feldmann ist dagegen die differenzierte klangliche Arbeit und dazu n\u00f6tige technische Umsetzung bei ihren fortgeschrittenen Sch\u00fclerInnen nur live m\u00f6glich: \u201eIch kann nur dann die richtigen Tipps zur Verbesserung geben, wenn ich ganz genau h\u00f6ren kann.\u201c Im Anfangsunterricht sei es einfacher: dort k\u00f6nne sie \u00dcbeschritte und bisherige Unterrichtsinhalte kontrollieren, musikalische Spiele erfinden oder Hausaufgaben per Mail schicken. So mache der Unterricht bei allen Kompromissen den Kindern weiterhin Spa\u00df. Auch Silke Gert verschickt w\u00f6chentlich einen Plan mit Tipps f\u00fcrs Musizieren zuhause und l\u00e4sst sich Audio-und Videoaufnahmen zusenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gesangsunterricht ist laut S\u00e4ngerin <a href=\"https:\/\/musedu.at\/de\/members\/janne-kliegl\/\">Janne Kliegl<\/a> online m\u00f6glich, wenn auch mit einigen Einschr\u00e4nkungen. F\u00fcr sie sei es schwierig, den Klang der Stimme \u00fcber Laptop oder Handy gut einzusch\u00e4tzen. \u201eIch frage daher viel \u00f6fter danach, wie es sich f\u00fcr die Sch\u00fclerInnen angef\u00fchlt hat. Melodie einstudieren funktioniert aber beispielsweise sehr gut, da ich ihnen Passagen vorspiele und sie singen nach &#8211; da kann ich auch die Intonation besser pr\u00fcfen. Auch theoretische Inhalte sind gut zu vermitteln.\u201c Das Niveau mache f\u00fcr sie keinen Unterschied, allerdings unterrichte sie bisher nur Menschen, deren Stimme sie schon gut kennt. \u201eWenn jemand zum ersten Mal zu mir kommt, stelle ich es mir schwierig vor, die Stimme nur \u00fcber den (meist schlechten) Mikroinput kennen zu lernen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Alle bedauern, dass wegen der Latenzzeit kein gemeinsames Musizieren, Singen &#8211; oder beim Schlagzeug ein aktives Mitspielen zur Musik &#8211; m\u00f6glich ist. Dies ist sonst ein zentrales Element ihres Unterrichts. M\u00f6glicherweise sind hierf\u00fcr spezielle Plattformen f\u00fcr Musik wie <a href=\"https:\/\/www.jamkazam.com\/\">JamKazam<\/a> oder <a href=\"https:\/\/jammr.net\/\">Jammr<\/a> geeignet, bei denen die Latenz gering und die Tonqualit\u00e4t besser sein soll &#8211; genaue Tests stehen jedoch noch aus. Hat Online-Musikunterricht auch Vorteile? Links zu Lehrvideos und Soundbeispielen direkt zu teilen oder HobbymusikerInnen anzuregen, sich selbst aufzunehmen ist damit besonders gut m\u00f6glich. Nicht zu untersch\u00e4tzen ist momentan auch die emotionale Komponente: \u00fcber den Musikunterricht bleibt f\u00fcr viele \u201eein bisschen Alltag\u201c (Silke Gert) erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige der befragten Lehrkr\u00e4fte halten die Online-Variante f\u00fcr eine Notl\u00f6sung, andere k\u00f6nnen sich vorstellen, auch in Zukunft gelegentlich in den virtuellen Raum auszuweichen. Das Medium sei praktisch bei Abwesenheiten, zur besseren Zeiteinteilung oder f\u00fcr Sch\u00fclerInnen, die weiter entfernt wohnen. Allerdings immer nur als Erg\u00e4nzung zur essenziellen \u201esinnlichen Ebene\u201c (Ulrike Danne-Feldmann) des regul\u00e4ren Unterrichts. Es wird deutlich, dass sich alle &#8211; Lehrende und Lernende &#8211; darauf freuen, wieder Pr\u00e4senzunterricht machen zu k\u00f6nnen. Silke Gert bringt es auf den Punkt: \u201eZum Gl\u00fcck kann kein digitales Medium den Musikunterricht, bei dem alle Beteiligten physisch anwesend sind, ersetzen.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vieles verlagert sich momentan in den virtuellen Raum \u2013 so auch der Musikunterricht. 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