{"id":2897,"date":"2024-12-02T09:45:00","date_gmt":"2024-12-02T08:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/musedu.at\/?p=2897"},"modified":"2024-12-19T17:17:09","modified_gmt":"2024-12-19T16:17:09","slug":"mitten-im-klang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/musedu.at\/de\/mitten-im-klang\/","title":{"rendered":"Mitten im Klang"},"content":{"rendered":"<p>Der gro\u00dfe Saal im <a href=\"https:\/\/konzerthaus.at\/\">Wiener Konzerthaus<\/a> sieht anders aus als sonst. Die Stuhlreihen im Parterre sind verschwunden. Stattdessen stehen dort kleine Gruppen von Sesseln, dazwischen Papphocker und vereinzelt Instrumente. Ich besuche ein Konzert der besonderen Art: \u201eIm Klang\u201c, aufgef\u00fchrt von den <a href=\"https:\/\/www.wienersymphoniker.at\/\">Wiener Symphonikern<\/a> unter Gastdirigent Lahav Shani. Der Clou dabei ist, dass das Publikum \u2013 auf den Papphockern \u2013 mitten unter den Orchestermusikern sitzen darf.  <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ich betrete den Saal\nund muss mich entscheiden. Einmal die riesige Harfe direkt in Aktion\nerleben? Oder lieber die edlen Fl\u00f6ten aus der N\u00e4he bewundern? Neben\nmir stehen zwei junge M\u00e4nner und blicken sich um. \u201eHey, setzen wir\nuns dorthin, zu den coolen Vibrations\u201c, sagt der eine und zeigt auf\ndie Kontrab\u00e4sse, die am Boden liegen. Gute Idee. Auch ich w\u00e4hle\neinen der Papphocker neben den Bassisten. Von dort aus kann ich\nau\u00dferdem den Cellisten \u00fcber die Schulter schauen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Saal f\u00fcllt sich. Um mich herum Stimmengewirr und Kinderlachen. Das Publikum ist deutlich j\u00fcnger als sonst. Fast niemand sitzt bei den Pauken \u2013 dabei haben die Saaldiener vorsorglich Geh\u00f6rschutz angeboten. Aber sonst sind alle Pl\u00e4tze gut besetzt. Die ersten Musiker kommen herein, stimmen ihre Instrumente, gehen einige Passagen nochmal durch. Die beiden M\u00e4nner neben mir machen ein Selfie.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Programm stehen die Symphonischen T\u00e4nze von Sergei Rachmaninoff, die sich mit ihrer gro\u00dfen Orchesterbesetzung gut f\u00fcr ein solches Klangerlebnis eignen. Zun\u00e4chst aber erkl\u00e4rt Moderatorin Katja Frei, was dieses letzte und quasi autobiographische Orchesterwerk des Komponisten auszeichnet. So klingt darin unter anderem seine erste Sinfonie an, deren Misserfolg er jahrelang nicht \u00fcberwinden konnte. Den Einfluss seiner Wahlheimat USA k\u00f6nnen wir am Saxophon erkennen, das man sonst selten in einem klassischen Orchester h\u00f6rt. Aber sonst erwartet uns an diesem Abend nat\u00fcrlich \u201erussische Musik\u201c.  <\/p>\n\n\n\n<p>Moderation und Klangbeispiele wechseln sich ab. Verschiedene Instrumentalisten f\u00fchren uns das Motiv des fallenden Dreiklangs vor. Ein Hornist zeigt, wie er mit der Hand sein Instrument \u201estopft\u201c und damit die Klangfarbe ver\u00e4ndert. Und wir lernen, dass im Schlagwerk diesmal auch ein <a href=\"https:\/\/www.vsl.co.at\/de\/Tam-tam\/Sound_Characteristics\">Tamtam<\/a> eingesetzt wird: Eine Art Gong, die aber \u2013 anders als ein Gong \u2013 keine bestimmte Tonh\u00f6he hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Einf\u00fchrung k\u00f6nnen wir dann alle drei S\u00e4tze aus unserer ungewohnten Perspektive genie\u00dfen. Ich bade im warmen Streicherklang, h\u00f6re wie aus der Ferne die Bl\u00e4ser und das Klavier. Manches klingt leiser, oder kommt aus einer anderen Richtung als ich es gewohnt bin. Wenn ich die Augen nicht geschlossen habe, kann ich bei den Cellistinnen in den Noten mitlesen und sehen, was sie mit Bleistift darin angemerkt haben. Ich beobachte die ausgefeilten Streich- und Zupftechniken f\u00fcr Kontrabass und Cello und bin dabei nur wenige Zentimeter von den Profis entfernt. Sch\u00f6n, dass sie uns diese Einblicke erm\u00f6glichen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Viel zu fr\u00fch endet das Konzert und ich h\u00e4tte gern noch bei anderen Instrumenten gesessen. Daf\u00fcr muss ich wiederkommen. Zum Gl\u00fcck finden die \u201eIm Klang\u201c-Konzerte mehrmals im Jahr statt. Als ich den Saal verlasse, h\u00f6re ich, wie ein M\u00e4dchen \u00fcber die Saiten der Harfe streichen darf. \u201eWenn ich Kinder h\u00e4tte, w\u00fcrde ich mit ihnen hierher kommen\u201c, hat mein Sitznachbar zwischendurch gesagt. Ganz bestimmt! Aber auch f\u00fcr mich als erwachsene Hobbymusikerin war dieser Abend ein besonderes Klangerlebnis.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Foto: Rupert Steiner)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gro\u00dfe Saal im Wiener Konzerthaus sieht anders aus als sonst. Die Stuhlreihen im Parterre sind verschwunden. Stattdessen stehen dort kleine Gruppen von Sesseln, dazwischen Papphocker und vereinzelt Instrumente. 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