{"id":2462,"date":"2024-11-04T09:00:00","date_gmt":"2024-11-04T08:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/musedu.at\/?p=2462"},"modified":"2024-12-19T15:42:26","modified_gmt":"2024-12-19T14:42:26","slug":"bei-den-geigenmacherinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/musedu.at\/de\/bei-den-geigenmacherinnen\/","title":{"rendered":"Bei den Geigenmacherinnen"},"content":{"rendered":"<p>Unter einem Wandregal h\u00e4ngen Geigen, an der Wand darunter sind Stecheisen und Hobel aufgereiht. Auf Arbeitsfl\u00e4chen liegen Lineale, Leim und Skizzen, in Glasvitrinen werden Instrumente, B\u00f6gen und Zubeh\u00f6r pr\u00e4sentiert. Die Werkstatt von Claudia Rook und Kerstin Hoffmann in Wien wirkt aufger\u00e4umt und gem\u00fctlich. Mit einer Gruppe von Musikliebhabern hat sich MUSEDU dort eingefunden, um etwas \u00fcber das Geigenbau-Handwerk zu erfahren.  <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die beiden Meisterinnen bauen ihre Instrumente nach traditionellen Vorlagen. Modelle daf\u00fcr finden sie in Bildb\u00e4nden, in denen alte Instrumente italienischer Meister abgebildet und detailgenau dokumentiert sind. Oder sie lassen sich von Originalinstrumenten inspirieren, die sie direkt an der Werkbank und im Konzert studieren k\u00f6nnen. Weitere Vorlage sind aus Gips hergestellte 3D-Modelle von W\u00f6lbungen und Schnecken. Bei Streichinstrumenten hat sich &#8211; anders als beispielsweise beim Klavier &#8211; die Bauweise seit Jahrhunderten kaum ver\u00e4ndert. Experimente mit der Form oder mit neuen Materialien haben sich letztlich nicht durchgesetzt. Somit bauen Hoffmann und Rook noch immer wie vor 300 Jahren \u2013 nur mit moderneren Werkzeugen und Strom.  <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"400\" height=\"533\" src=\"https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2474\" style=\"width:300px;height:400px\" srcset=\"https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic3.jpg 400w, https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic3-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Vorf\u00fchrmodelle<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Arbeitsg\u00e4nge beim Bau von Geige, Bratsche und Cello sind gleich, nur ihre Gr\u00f6\u00dfe unterscheidet sich. Wie lange es dauert, ein solches Instrument von Hand zu bauen, ist f\u00fcr den Laien kaum vorstellbar: eine Geige entsteht in 180 Stunden, ein Cello in rund 600 Stunden. Preise von 17.000 Euro f\u00fcr eine Geige oder 30.000 Euro f\u00fcr ein Cello erscheinen nicht zu hoch kalkuliert, wenn man einen Einblick in dieses Handwerk bekommen hat. Hoffmann und Rook \u00fcbernehmen nur selten Auftragsarbeiten. Normalerweise entscheidet jede von ihnen frei, was sie bauen m\u00f6chte &#8211; und baut immer nur ein Instrument auf einmal. Dabei entstehen absolute Unikate.  <\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer Geige sind Boden, Zarge und Hals aus Ahorn, die Decke aus Fichte. Keine gew\u00f6hnliche Fichte allerdings: sie muss hoch und gleichm\u00e4\u00dfig gewachsen sein und stammt aus den Dolomiten. Claudia Rook reicht Holzplatten herum und wir f\u00fchlen, wie unterschiedlich schwer die beiden H\u00f6lzer sind. \u201eAn einem Streichinstrument schwingt alles, aber nat\u00fcrlich unterschiedlich stark\u201c, erkl\u00e4rt sie. Die verwendeten Holzarten sind stabil und schwingungsf\u00e4hig zugleich.  <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"590\" height=\"400\" src=\"https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2471\" style=\"width:443px;height:300px\" srcset=\"https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic2.jpg 590w, https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic2-300x203.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Am Biegeeisen wird die Zarge geformt<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Mittlerweile hat das Biegeeisen seine Betriebstemperatur erreicht. Kerstin Hoffmann f\u00fchrt vor, wie die Seitenwand \u2013 die Zarge \u2013 entsteht, indem sie eine Holzleiste um das 100 Grad hei\u00dfe Eisen herumbiegt. Einmal abgek\u00fchlt, beh\u00e4lt das Holz seine Form. Anhand ihrer 3D-Modelle arbeiten die Geigenbauerinnen \u2013 nur mit Augenma\u00df \u2013 die W\u00f6lbung von Decke und Boden des Instruments exakt heraus. Eine wichtige Aufgabe, denn dieser Arbeitsgang entscheidet \u00fcber Klang und Statik. Auch dies zeigen sie anschaulich an Vorf\u00fchrmodellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Leim verwendet man im Geigenbau \u201eHasenleim\u201c, einen Naturleim aus Haut und Knochen, der sowohl stabil als auch leicht wieder l\u00f6sbar ist. Es wurde noch kein Kunstleim erfunden, der dieselben Eigenschaften besitzt &#8211; somit kann ein Streichinstrument nicht vegan sein. Daf\u00fcr muss man sich nicht f\u00fcrchten, wenn einmal eine Leimnaht aufgeht, denn das kann leicht repariert werden.  <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"537\" height=\"400\" src=\"https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2464\" style=\"width:403px;height:300px\" srcset=\"https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic1.jpg 537w, https:\/\/musedu.at\/wp-content\/uploads\/ViolinMakers_Pic1-300x223.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 537px) 100vw, 537px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schneckenmodell von der Natur inspiriert<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Wir bekommen weitere seltene Einblicke: Innerhalb der Geigendecke ist ein \u201eBassbalken\u201c auf der Seite der Basssaiten angebracht. Er stabilisiert das Instrument und \u00fcbertr\u00e4gt die Schwingungen vom Steg. Die dunkle Umrandung eines jeden Streichinstruments ist ein dreiteiliger \u201eEinlegespan\u201c aus Pappelholz. Dieser ist nicht nur dekorativ, sondern sch\u00fctzt auch vor Rissen. Die F-L\u00f6cher werden mit der Laubs\u00e4ge ausges\u00e4gt und mit dem Schnitzmesser ausgeschnitten. Ihre Platzierung wirkt sich auf den Klang aus. Und bei der Schnecke haben sich Geigenbaumeister an Natur und Ornamentik orientiert \u2013 allein bis diese fertig geschnitzt ist, dauert es eine gute Woche.  <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn das sogenannte \u201ewei\u00dffertige\u201c Instrument fertig ist, kommt ein weiterer aufw\u00e4ndiger Prozess: das Lackieren. Hoffmann und Rook arbeiten mit einem selbst gekochten Bernsteinlack nach einer alten \u00fcberlieferten Rezeptur aus dem 17. Jahrhundert. Acht bis zehn Lackschichten  werden aufgetragen, die verschiedene Funktionen haben. Entscheidet sich dann ein Musiker, ein Instrument zu kaufen, wird es individuell angepasst. Die Positionierung des Stimmstocks, die Besaitung&#8230; auch hier gibt es noch Spielraum, den Klang zu beeinflussen. Nicht zu vernachl\u00e4ssigen ist auch der Bogen. Bogenmacher ist ein eigener Handwerksberuf; alte franz\u00f6sische B\u00f6gen k\u00f6nnen Hundertausende Euro kosten.  <\/p>\n\n\n\n<p>Horrende Preise sowie die Frage, ob nun ein altes oder neues Instrument besser sei, werden auch in der Diskussion mit der Gruppe angesprochen. \u201eNicht alt oder neu ist prinzipiell gut\u201c, sagt Claudia Rook, \u201esondern es geht um Qualit\u00e4t.\u201c Nach jahrhundertelangen Restaurierungen sei au\u00dferdem fraglich, wieviel an einer Stradivari noch original sei. Letztlich sei es auch eine Prestigesache. Wie Gem\u00e4lde sind auch Streichinstrumente teilweise Spekulationsobjekte. Rook meint hierzu: \u201eSchade ist, wenn solche Instrumente dann in einem Safe liegen, nur weil jemand das Geld hat \u2013 eigentlich geh\u00f6ren sie auf die B\u00fchne\u201c.  <\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss gibt Rook \u2013 die auch studierte Cellistin ist \u2013 Eltern und Anf\u00e4ngern noch einen guten Rat: Finger weg von Billig-Geigen! \u201eWenn man musizieren lernen und sein Geh\u00f6r ausbilden m\u00f6chte, braucht man ein vern\u00fcnftiges Instrument, das Spa\u00df macht und gut funktioniert.\u201c In der Einsteigerklasse gibt es schon gute Geigen f\u00fcr rund 900 Euro. Auch Mieten kann eine sinnvolle Variante sein. Dabei kommen bei Hoffmann und Rook Instrumente fremder Hersteller zum Einsatz, die sie selbst spielfertig mache und klanglich einstellen. Service inbegriffen. Ein \u201eRundum-Sorglos-Paket\u201c f\u00fcr Musiksch\u00fcler.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen zum Instrumentenbau und den verschiedenen Services von Hoffmann &amp; Rook sowie ihr eigenes Fachmagazin \u201elegato\u201c finden sich auf der Website <a href=\"http:\/\/geigenmacher.at\">www.geigenmacher.at<\/a>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter einem Wandregal h\u00e4ngen Geigen, an der Wand darunter sind Stecheisen und Hobel aufgereiht. Auf Arbeitsfl\u00e4chen liegen Lineale, Leim und Skizzen, in Glasvitrinen werden Instrumente, B\u00f6gen und Zubeh\u00f6r pr\u00e4sentiert. Die &#8230; <a title=\"Bei den Geigenmacherinnen\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/musedu.at\/de\/bei-den-geigenmacherinnen\/\" aria-label=\"Mehr zu Bei den Geigenmacherinnen\">Weiterlesen &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":2460,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"generate_page_header":"","footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2462"}],"collection":[{"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2462"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2462\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4816,"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2462\/revisions\/4816"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/musedu.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}